Reinhold Strobl

Mitglied des Bayerischen Landtags

Anlässlich des Tages des offenen Denkmals am 10. September 2017

Allzu gerne würden auch heute noch denkmalgeschützte Gebäude abgerissen. „Weg mit dem alten Glump.“ Diesen Satz hört man immer wieder. Erst vor kurzem wurde wieder ein ortsprägendes denkmalgeschütztes Gebäude aus dem Jahre 1361 in einer Gemeinde abgerissen. Dabei sind es gerade diese Häuser, die einem Ort sein besonderes unverwechselbares Flair geben.

Was wäre unser Land, wenn es nicht diese Orte mit ihrer besonderen Ausstrahlung geben würde? Regensburg mit seiner historischen Altstadt, Amberg und Berching mit ihrer alten Stadtmauer oder Weiden und Straubing mit ihrem großen Marktplatz, umrahmt von alten Bürgerhäusern oder auch kleine Dörfer mit ihren alten Bauernhäusern?

Das Problem der Denkmalpflege sind nicht Schlösser wie Neuschwanstein und Kirchen wie die Wies, die Bayern erstrahlen lassen, sondern die vielen Kleindenkmäler, die den Dörfern und Städten ihr unverwechselbares Gesicht und ihre Anmutung verleihen. Wer käme nach Bayern, wenn überall nur auswechselbare Glasbauten stehen würden? Macht es nicht mehr Spaß, in einem Cafe, in einer Eisdiele oder einem Gasthaus am Marktplatz zu sitzen, wo man die Geschichte atmen kann? Derzeit stehen in Bayern 3.000 denkmalgeschützte Objekte leer und werden damit dem Verfall preisgegeben. Es handelt sich meistens um Bauern- und Bürgerhäuser, also um Zeugnisse, die das Leben der unteren und mittleren Gesellschaftsschichten widerspiegeln.

Warum kommen Menschen aus anderen Kontinenten zu uns? Wohl kaum, weil sie bei uns die gleichen Städte wiederfinden wie bei ihnen Zuhause. Leider ist es auch so, dass mancherorts von Hauslandschaften nur noch Fragmente erhalten und Ortskerne ruiniert, Kulturlandschaften in großem Umfang zerstört sind. Natürlich sind die Ansprüche der Menschen, die in diesen Häusern leben, auch gestiegen. Häuser bekommen eine andere Verwendung. Die Innenstädte können kein Museum sein, sondern ein Ort, in dem gelebt wird, in dem Geschäfte sind, welche aber von ihrer Kundschaft auch erreicht werden müssen.

Das System Denkmalschutz, zu dem die Eigentümer der Denkmäler, die Kommunen und die Denkmalschutzbehörden gehören, hat schwere Mängel und ist drastisch unterfinanziert. Dabei steht im Art. 141 der Bayerischen Verfassung: „Staat, Gemeinden und Körperschaften des öffentlichen Rechts haben die Aufgabe, die Denkmäler der Kunst, der Geschichte und die Natur sowie die Landschaft zu schützen und zu pflegen.“ Das ist zugegebenermaßen nicht leicht, gibt es doch 160.000 Baudenkmäler in Bayern (knapp 70% davon im Privateigentum), 883 Ensembles und 48.753 Bodendenkmäler.

Wenn die 60.000 privaten Denkmaleigentümer nur unzureichend unterstützt werden können, ist ein weiterer massiver Denkmalverlust vorprogrammiert. Die Erhaltung der Denkmäler muss im Interesse der Allgemeinheit liegen. Gelder, die hier investiert werden, sorgen für Arbeitsplätze in der Bau- und Kunstbranche. Der Staat wird nicht umhin kommen, so wie von der SPD-Landtagsfraktion immer wieder gefordert, hier die Haushaltsansätze noch zu erhöhen. Wir alle profitieren davon, wenn wir in einem für das Auge interessanten Umfeld leben können. Eigentümer von Denkmälern sind aufgerufen, sich frühzeitig mit dem Denkmalamt in Verbindung zu setzen.

Wenn der gute Wille von beiden Seiten vorhanden ist, kommt es auch zu guten Lösungen. Das wird mir immer wieder bestätigt. Auch ein denkmalgeschütztes Haus muss heute den Anforderungen der Barrierefreiheit oder einer neuen Nutzung gerecht werden. Das ist möglich. Weggerissen ist ein altes Haus gleich – damit ist aber auch die Geschichte unserer Heimat bzw. unseres Heimatortes zerstört.